Hoch über Oberstenfeld im Bottwartal, Landkreis Ludwigsburg, in einer so beherrschenden Lage, wie sie nur selten zu finden ist, erhebt sich die Burg Lichtenberg, deren mächtiger Bergfried die massige Anlage beträchtlich überragt und weithin sichtbar ist. Man geht daher sicher nicht fehl anzunehmen, der Erbauer einer so herausragenden Anlage habe auch gewisse politische Bedeutung gehabt.



Dietrich von Weiler
Im Jahre 1197 erscheint erstmals ein Albertus de Lichtenberg in einer Urkunde des Markgrafen Hermann von Baden. Das im Grenzbereich zwischen dem Glemsgau und dem Murrgau gelegene Bottwartal war in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts in die Kämpfe zwischen den Welfen und den Staufern einbezogen. Im Laufe des 12. Jahrhunderts, als die Staufer die Oberhand gewonnen hatten, erscheinen als Erben der mächtigen Grafen von Calw, denen das Gebiet gehörte, die Markgrafen von Baden und die Grafen von Löwenstein. Mit ihnen in enger Verbindung scheint der erste fassbare Herr von Lichtenberg gestanden zu haben. Mit einiger Sicherheit waren die Lichtenberger, die wenig später „nobiles“ genannt werden, keine Ministerialen, sondern gehörten zu den Edelherren. Jedenfalls waren sie auch unter jenen Geschlechtern, die durch die Blüte des Stauferreiches zu Einfluss und Ansehen gelangten. Außerdem darf man annehmen, dass ein wenn auch nicht mehr zu klärender Zusammenhang zwischen den Herren von Lichtenberg und dem am Fuße ihrer Burg gelegenen Oberstenfeld bestanden haben wird. Die Herren von Lichtenberg haben in den etwa zwei Jahrhunderten, in denen sie die Burg gebaut und bewohnt haben, fast in jeder Generation einen politisch einflussreichen Mann hervorgebracht, was vielleicht ein Grund dafür war, dass die Burg während dieser Zeit nie angegriffen worden ist.


So war Sigibodo Geheimschreiber des Königs Albrecht und später Bischof von Speyer. Albrecht Hummel von Lichtenberg war Marschall Kaiser Ludwigs des Bayern und ist mehrmals mit dem Kaiser nach Italien gereist. Hermann von Lichtenberg war Kanzler des Kaisers Ludwig von Bayern, ab 1333 Fürstbischof von Würzburg und damit Herzog von Franken. Im Jahr 1357 haben die Lichtenberger ihren Besitz an das Haus Württemberg verkauft. Ein Grund hierfür ist nicht bekannt. Vielleicht hat die wenige Jahre zuvor zum ersten Mal ausgebrochene Pest hierbei eine Rolle gespielt. Etwas über 100 Jahren war die Burg von verschiedenen württembergischen Vögten bewohnt und ist in dieser Zeit wohl nicht allzu gut gepflegt worden. Im Jahre 1483 hat Graf Eberhard von Württemberg seinen langjährigen Landhofmeister Dietrich von Weiler mit der Burg Lichtenberg und der Vogtei Großbottwar belehnt. Seidem ist die Burg im Besitz der Freiherren von Weiler. In die Amtszeit Dietrichs von Weiler fielen einige für das Land heute noch bedeutsame Ereignisse und Entscheidungen: 1477 die Gründung der Universität in Tübingen, 1482 der Münsinger Vertrag, der die geteilte Grafschaft - Stuttgart und Urach - wieder vereinigt hat, und schließlich die Erhebung des Grafen Eberhard zum Herzog von Württemberg, die Kaiser Maximilian im Jahre 1495 auf dem Reichstag in Worms vorgenommen hat.

 

Die Instandsetzung der Burg Lichtenberg, deren Kosten er in einem noch vorhandenen Brief bitterlich beklagt hat, war mit 9000 Gulden ein teures Unternehmen. Sein Sohn Dietrich ist 1525 in seiner Eigenschaft als württembergischer Vogt nach Weinsberg geritten mit dem Auftrag, die Stadt gegen die aufrührerischen Bauern zu verteidigen. Dabei ist er zusammen mit seinem ältesten Sohn ums Leben gekommen. Burcard von Weiler war 1608 württembergischer Hofrichter in Tübingen. Im 30-jährigen Krieg blieb die Burg mit Ausnahme einer Plünderung im Sommer 1634 nach der Schlacht bei Nördlingen verschont. Die vom Burgkaplan aufgeschriebene Liste aller gestohlenen und zerstörten Inventarstücke gibt einen interessanten Einblick in die sehr bescheidene Einrichtung einer Burg in dieser Zeit. Bis zum Ende des letzten Weltkrieges ist die Burg von kriegerischen Verwicklungen verschont geblieben. In der 2. Aprilhälfte 1945, als die deutsche Wehrmacht die sogenannte Neckarlinie gegen die von Norden vorrückenden Amerikaner verteidigt hat, war auch die Burg Lichtenberg wieder ein militärisch wichtiges Objekt. Auf den Türmen saßen die Artilleriebeobachter zweier deutschen Infanteriedivisionen und versuchten, das Feuer der jeweiligen Divisionsartillerie gegen die amerikanischen Truppen zu lenken.


Als am 19.04.1945 eine amerikanische Panzerspitze den Beilsteiner Bahnhof erreicht und damit freies Schussfeld auf die Burg hatte, sind innerhalb von 20 Minuten ca. 20 Panzersprenggranaten in der Burg eingeschlagen. Spuren davon sieht man heute noch. Die Mutter des heutigen Burgherrn, Baronin Marie Luise von Weiler, ist dann auf den Turm gestiegen und hat eine schwedische Fahne herausgehängt. Die Amerikaner haben darauf sofort das Feuer eingestellt, obwohl die deutsche Wehrmacht noch bis zum späten Nachmittag in der Burg geblieben ist. Diese mutige Tat, die nur durch Zufall ohne Standgerichtsverfahren und sicheres Todesurteil geblieben ist, hat die Burg damals gerettet. In den folgenden Jahren sind die Kriegsschäden beseitigt worden. Die Burg ist seitdem nach und nach in den Zustand versetzt worden, in dem sie heute ist.

Dazu gehörte 1946 der Anschluss an die Elektrizitätsversorgung, 1960 die Freilegung der Fresken in der Burgkapelle zusammen mit der Renovierung der Kapelle, ebenfalls 1960 die Eröffnung des Burgrestaurants in den oberen Gasträumen, 1966 der Ausbau der unteren Gastronomie im so genannten Rittersaal im Zuge der Renovation des Nordwestflügels, 1988 die Lösung des Abwasserproblems durch Anschluss an die Kläranlage in Oberstenfeld. Dazu sind immer wieder Reparatur- und Wiederaufbauarbeiten an schadhaften Mauern gekommen, zuletzt im Jahre 2006 der Wiederaufbau der eingestürzten Bastion an der Nordecke mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und des Landesdenkmalamtes.

Burgherr Dietrich Baron von Weiler und Burgherrin Ulrike Baronin von Weiler sind bemüht, das gleichermaßen schwierige wie geliebte Kulturdenkmal weiter zu erhalten. Das unter der Burg im Bottwartal gelegene Oberstenfeld war eine Siedlung des frühen Landesausbaues im 7. und 8. Jahrhundert. Um 1016 erfolgte die Gründung des Stifts Oberstenfeld durch einen Grafen Adalhard und seinen Sohn Heinrich, möglicherweise Verwandte der edelfreien Herren von Heinriet, die ihre Rechtsnachfolger in Oberstenfeld waren. Das Stift nahm im 14. Jahrhundert die Augustinerregel an. Seine Schirmvögte waren bis 1357 die Hummel von Lichtenberg, dann die Grafen von Württemberg. Herzog Ulrich wandelte nach der Einführung der Reformation in Württemberg (1534/35) das Stift in ein evangelisches adliges Fräuleinstift um. Die Stiftskirche reicht in ihrem ältesten Teil (Krypta) in die Gründungszeit des Stifts zurück, der Hauptbau stammt aus der Zeit um 1200, der Turn aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts. Zwischen den Insassen des Stifts und den Bewohnern der Burg wird man ein Wechselspiel voraussetzen dürfen.



Friedrich von Weiler

So wird 1799 das Hochwohlgeborene Fräulein Friederike Freyin von Weiler als Äbtissin zu „Obristenfeld“ genannt. Lichtenberg ist eine Abschnittsburg auf einem hohen Bergrücken, dessen vorderster Teil fast wie ein Kegel in das Tal vorspringt. Sie wirkt daher ähnlich wie jene hochadligen Kegelburgen der früheren Burgenbauphase im 11. und frühen 12. Jahrhundert. Ein großer Halsgraben trennt den Burgplatz vom Berg ab. Wie schon mehrfach bei bedeutenden Burganlagen dieser Zeit festgestellt, so wird auch hier durch die Kernburg eine etwas tiefer gelegene Terrasse an der Bergspitze gedeckt, welche für ein Zeltlager durchziehender Truppen oder für das Gefolge eines hohen Gastes geeignet war. Wie auch andernorts wird dieser Platz dann später in die Außenwerke einbezogen. In ihrer Grundform bildet die Kernburg, welche noch heute von der zweifellos in einem Zuge entstandenen Ringmauer umzogen wird, ein dem Oval ähnliches Polygon, das dem Gelände folgt. Die Brücke führte wohl immer an der Stelle, wie noch heute, nahe dem Abhang ins Bottwartal so über den Graben, dass man den Burgplatz im Süden, also links außerhalb der Ringmauer, betritt. Wenig rechts neben der Brücke tritt der Bergfried etwas vor die Ringmauer und sichert damit den Grabenübergang. Die Kernburg liegt quer zum Bergsporn.

Sie ist zugänglich an der etwas eingeknickten Südschmalseite, so dass man sich nach dem Überschreiten der Brücke nach rechts wenden muss. Der große Burghof war wohl, wie noch heute, immer nur an zwei Seiten nach Süden neben dem Bergfried und über dem Tor und nach Westen gegen die Bergspitze von Gebäuden eingefasst.

Der im Jahr 1197 erstmals genannte Albertus (Albrecht) de Lichtenberg darf als der Gründer und Erbauer der Burg Lichtenberg angesehen werden. Die weitgehend aus gut gearbeiteten Buckelquadern errichtete Ringmauer muss samt dem Bergfried an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert entstanden sein. Wie die von ihr umgebene Burg aussah, ist nicht bekannt. Sie wird im Verlauf der folgenden Zeit durch weiteren Ausbau ihr Aussehen immer wieder verändert haben. Dies wird bestätigt durch den-drochronologische Untersuchungen, die 1997 an Holzproben aus dem Deckengebälk des großen Saales im Erdgeschoss neben der Kapelle vorgenommen wurden. Sie ergaben ein Fälldatum der Balken zwischen 1232 und 1250. Dies besagt, dass die Burg in der Blütezeit des Stauferreiches und knapp ein halbes Jahrhundert nach ihrer Erbauung ausgebaut und verschönert wurde.

Die Ringmauer hat an der Bergseite nach Osten entlang des Halsgrabens eine Mauerstärke von 2,96 m. Sie hatte hier zweifellos Schildmauerfunktion und trug einen Wehrgang. An der nordöstlichen Schmalseite und an der Talseite ist dann die Ringmauer weniger stark ausgebildet. Wie schon eingangs erwähnt, verläuft an dieser Nordostecke der Graben verhältnismäßig flach, so dass die eigentliche Angriffsgefährdung gar nicht so sehr bei der durch den Bergfried hinreichend gedeckten Brückenflanke lag, sondern an der Ostflanke, was dazu führte, dass hier in voller Größe vor die Mauerflucht vortretend ein weiterer Turm entstand, im Grundriss fast so groß wie der Bergfried, jedoch nicht so hoch wie dieser. Das knappe Einbinden dieses Turmes in die Schildmauer lässt vermuten, dass diese hinter ihm bereits ganz oder teilweise fertig war und nach seiner Vollendung wieder abgebrochen wurde. Dass dieser Turm nie als zweiter Bergfried gedacht war, wie man zuweilen in der Literatur lesen kann, zeigt sein innerer Aufbau. Der Bergfried von ungewöhnlich großen Dimensionen - in der Mauerflucht 9,50 m, in der Tiefe 10,30 m messend und ca. 30 m hoch - hat seinen Zugang vom zweiten Obergeschoss des an der Südseite immer vorhandenen Wohnbaues oder Palas her über einen auskragenden Steg, der ehemals überdacht war. Darunter enthält er keine nutzbaren Räume. Im Eingangsgeschoss ist hinter der Schildmauer ein Abort in die Mauerdicke eingelassen. Die Räume darüber haben nur wenige Luftschlitze. Eine Auswärtsverteiligung war also nur von der Plattform des Turmes aus möglich. Der heutige Abschluss mit großen Öffnungen und einem Zeltdach entstand erst 1908 als Wetterschutz und Sicherung für diejenigen, die den Turm besteigen, um die weite Sicht zu genießen. Interessant im Inneren dieses Bergfrieds, der im Gegensatz von Stockwerken hatte, ist die Beobachtung, dass die Auflager für die Holzbalkendecken nicht durch eine Verjüngung der Innenmauer und die dadurch entstehenden Mauerabsätze geschaffen wurden, wie dies zumeist der Fall war, sondern durch an zwei gegenüberliegenden Seiten eingemauerte, im Viertelkreis von unten gesehen wulstartig vorkragende, auf die ganze Raumlänge durchlaufende Steine. Dadurch behält der Turm bis oben seine volle Mauerstärke. Nach der Zahl seiner ehemaligen Stockwerke und Räume zu schließen, war er immerhin für den vorübergehenden Aufenthalt einer größeren Zahl von Personen geeignet.

Stammbaum der Familie von Weiler / Ellrichshausen

Anders der zweite Turm. Zwar hat auch er nach außen nur ein paar Luftschlitze, konnte also der Auswärtsverteiligung ebenfalls nur von einer anzunehmenden Plattform aus dienen. Dafür enthält er im Erdgeschoss und im ersten Stock zwei tonnengewölbe Räume, zum Hof nur mit einer dünnen Mauer abschlossen. Der untere ist ebenerdig zugänglich, der nächste hat einen über eine äußere Holztreppe zugämglichen Eingang und Fenster zum Hof. Der darüber folgende Raum im zweiten Stock ist über den Wehrgang an der Ostmauer zu erreichen, und von ihm aus gelangt man zum obersten Turmraum. Wozu diese Gelasse dienten, ist unbekannt. Jedenfalls war die Funktion dieses Turmes eine andere als die des Bergfrieds. Die Ostflanke der Burg war durch ihn hinreichend gesichert. Anschließend an den Bergfried, die ganze Südseite mit dem Eingang einnehmen, befand sich von Anbeginn der Palas, der Hauptwohnbau. Die These, es habe sich zunächst nur um einen turmartigen Wohnbau neben dem Bergfried gehandelt, der später über das Tor hinweg nach Westen erweitert worden sei, ist nach dem Baubefund nicht haltbar. Durch den Palas führte im Erdgeschoss die Durchfahrt, deren Überwölbung sicher später ist.

An den Bergfried schloss sich die Kapelle an mit einer sehr schönen Dreier-Fenstergruppe nach außen, dass sie nachträglich eingebrochen wurde, aber durchaus noch der Romanik angehört. Dass sich die Kapelle in unmittelbarer Nähe des Eingangs befindet, ist für mittelalterliche Burgen die Regel, da der Patron, meist der Hl. Michael oder der Hl. Georg, so die Burg am besten schützen und vor allem böse Geister bannen konnte.

Diese im Mittelalter gängige Auffassung kommt auch in dem Relief zum Ausdruck, welches über dem Brückentor, dem Tor, das einst mit der Zugbrücke verschlossen werden konnte, angebracht ist. Es trägt das Datum 1486, ist demnach fast 300 Jahre nach der Erbauung der Ringmauer und des Tores entstanden, was aber nichts an der ihm zu Grunde liegenden apotropäischen Auffassung ändert. Es zeigt den gekreuzigten Christus mit Heiligen, wohl Maria und Johannes, und dazu noch den Hl. Benedikt im Dornbusch.

Er, der Brände zu löschen vermochte, ergänzt den Bann böser Geister. Diese „feien spätgotische Flachbildwerk“ wurde im Revolutionsjahr 1848 geschändet, als Revoluzzer ihr Mütchen kühlten und den Figuren die Köpfe abschlugen; ein absurdes Geschehen! Das beschädigte Relief wurde danach mit einem Gitter aus Flacheisen geschützt und weitgehend verdeckt. Es dürfte in weitem Umkreis der einzige Fall sein, dass ein Burgtor nicht nur mit Wappen geschmückt wurde, sondern mit einem inhaltsreichen Bildwerk
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Von den in der Kapelle freigelegten Wandmalereien sind die älteren in den Anfang des 13. Jahrhunderts datiert worden. Nach ihrer Freilegung durch das Staatliche Amt für Denkmalpflege in Stuttgart wurden sie 1960 restauriert und von dem damaligen Landeskonservator Prof. Dr. Richard Schmidt bearbeitet und publiziert.

Die Kapelle ist dem Hl. Laurentius geweiht. Dieser war in Rom Erzdiakon unter Papst Sixtus II., der seinerseits Papst unter Kaiser Valerian in den Jahren 256-258 war. Er hatte die Kallistuskatakombe zu betreuen. Dort wurden er und sein Diakon während der von Valerian angeordneten Verfolgung der Christen überfallen, gefangen genommen und am 6. August 258 hingerichtet. Beide wurden heilig gesprochen. Da Laurentius sehr standhaft und ritterlich sein Schicksal ertrug, war er ein geeigneter Patron einer Burgkapelle.

Den Bilderzyklus der Kapelle zu besprechen, ist hier nicht der geeignete Ort. Erwähnt sei noch ein hinter dem Altar aufgestellter Bildstock, der vom dem Bildhauer Sem Schlör aus Schwäbisch Hall gefertigt wurde. Er trägt das Datum 1573. Auf seinem mit einem reliefierten Ornament versehenen rechteckigen Schaft trägt er ein Gehäuse mit geschweiftem Umriss, gekrönt von einer Kreuzblume. Darin ist fast vollplastisch im Hochrelief die Kreuzigung Christi dargestellt. Maria und Johannes stehen zu beiden Seiten. Am Fuß des Kreuzesstammes knien betend der Ritter Wolf von Weiler und seine Gemahlin, geb. Willich von Alzey (Wolf von Weiler 1508 - 1583). Auf dem Hintergrund der Szene ist zu lesen: „Also hat Gott die Welt geliebt, das er seinen einigen Sohn gab, auff das alle die an ihn glauben nicht verlorn werden, sondern haben das Ewige Leben; loan: III.- Dem Leiden Christi zu Ere hat der edel und vest Wolff von Weiler diesen Bildstock lassen Stoze“. Darunter einem kleineren, ebensfalls geschwungenen Gehuse befindet sich das Allianzwappen des Ehepaares.

Ein Flügelalter, der über dem Altar gestanden hatte, und um 1940 auf nicht legale Weise verschwunden ist, befindet sich heute in Cloisters Museum in New York.

Jenseits der Tordurchfahrt befindet sich ein Raum ebenfalls mit einer Dreier-Fenstergruppe nach außen und einem Aborterker an der Talseite, der heute als Rittersaal bezeichnet wird, aber zweifellos die Dürnitz, die Mannschaftshalle, war. Auch in ihm sind wulstartig vorkragende Steine zur Aufnahme der wohl original stauferzeitlichen eichenen Deckenbalken vorhanden, wie sie der Bergfried zeigt. In die oberen Stockwerke gelangte man, wie noch heute, über vorgebaute Holztreppen. Im ersten Stock befand sich mit großer Sicherheit über Dürnitz und Durchfahrt ein Saal mit einem Aborterker ebenfalls an der Talseite (anstelle des heutigen jüngeren Wohnerkers). Hier wäre die Bezeichnung Rittersaal eher angebracht. Daneben gab es gegen den Graben noch ein stattliches Gemach, vielleicht der heizbare Wohnraum, von dem noch zwei mit Spitzbogen schließende originale Fenster gegen die Grabenseite erhalten sind. Im ebenfalls noch massiven zweiten Obergeschoss wird man Schlaf- und Wohnräume des Burgherren annehmen dürfen.

Von der heutigen, gotischen Empore der Kapelle im Erdgeschoss, die zweifellos einen romanischen Vorläufer hatte, führte eine Tür zu einer Treppe in den Saal im Obergeschoss.

Sowohl an der Hoffront als auch an der Außenseite des feindabgewandten, fast 40 m langen Westflügels kann man so zahlreiche Veränderungen ablesen, dass genaue Deutungen nicht mehr möglich sind. Auch dieser Bau, wohl für Stallungen, Wirtschaftszwecke und Gefolge gedacht, hat ein völlig massives Erdgeschoss von einst beachtlicher Geschosshöhe, von der heute ein niederer Geschosshöhe, abgeteilt wurde. Die massiven Querwände gehen in voller durch, und zu ihnen passen große, vermauerte Türöffnungen. Da die meisten Veränderungen an Türen und Fenstern der späten Gotik und der Renaissance angehören, darf man auch hier den Grundbestand in die Zeit um 1200 setzen. Der Keller unter dem Flügel ist jünger. Das Oberschoss ist an der Hofseite in Fachwerk ausgebildet. Eine der massiven Querwände reicht bis hier herauf, so dass man sicher folgern kann, dass der Bau nicht immer die gleiche Höhe aufwies.

Der turmartige Vorbau vor die Westfront muss einer nicht näher datierten gotischen Bauzeit angehören, diente als Flankenturm mit Schießscharten nach außen und seitlich zum Bestreichen der Mauer und gehört wohl zur Verstärkung der Burg durch Vorwerke. Ähnlich wie beim Nordostturm ist sein gewölbtes aus zugänglich. Ein weiterer Zugang ist im ersten Stock dieses Flügels, von wo eine schmale Treppe in einen ebenfalls gewölbten Raum hinabführt. Mit großer Sicherheit entstand bald nach 1200 noch der Torbau bei der Brücke, wenigsten in seinen unteren Teilen, bestehend aus dem in der Flucht der Ringmauer liegenden Tor und einem turmartigen Bau gegen das Bottartal hin. Damit waren der Vorbereich und das Hintergelände der Burg entsprechend gesichert. In einer oder mehreren nicht mehr genau fassbaren Phasen erfolgte dann die Anlage von Vorwerken, die mit einiger Sicherheit dem 15. Jahrhundert zuzuordnen sind, der Zeit, in welcher die gut ausgebildeten Feuerwaffen solche Maßnahmen nötig machten. Alle Zwinger, die um die Burg herum entstanden, haben weder Flankentürme noch Kasematten oder Wehrgänge, sind also wohl schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet worden. Der Halsgraben wurde gegen das Bottwartal mit Mauern geschlossen, und aus dem hinter der Burg gesicherten Platz wurde ein ummauerter Wirtschaftshof, durch den vorher beschriebenen Flankenturm entsprechend gesichert. Auch gegen das Bottwartal wurde ein großer Zwinger mit einer Rundbastion, gegen die Angriffsseite mit einer Spitze versehen, angelegt.

Die Burg Lichtenberg ist im weiten Umkreis die am besten erhaltene Burg mit ihrem Baubestand aus dem Mittelalter der Renaissance und der neueren Zeit.